Die Radix aus der Vergangenheitsperspektive

In der Reinkarnationsastrologie lesen wir das gegenwärtige Horoskop in der Vergangenheitsform. Wir verstehen die Radix als das Resultat unserer Vergangenheit und bisherigen Existenzgeschichte. Dies ist der erste Schritt, bevor man die Radix aus der Gegenwartsperspektive interpretiert und die Mission und Herausforderung der gegenwärtigen Inkarnation analysiert.

Verdienst oder Schuld

In der Reinkarnationsastrologie, deren Deutungsvorgehensweise von mir im Laufe der Jahre anhand hunderter konkreter Reinkarnationsbeispiele entwickelt wurde, wissen wir, dass harmonische und starke Stellungen der Himmelskörper das Resultat guten Karmas sind. Der Horoskopeigner hat sich durch Tugend und Stärke in früheren Inkarnationen ausgezeichnet und erntet nun den Verdienst stark gestellter Himmelskörper. Er hat sich im Bereich der stark gestellten Himmelskörper Fähigkeiten erarbeitet, die jetzt als leicht verwirklichbare Anlage mitgebracht werden. Gute Stellungen sind Verdienste und Auszeichnungen.
Stehen gut gestellte Himmelskörper in Konjunktion zu prominenten königlichen Fixsternen, werden diese geadelt.

Himmelskörper, die hingegen schlecht gestellt sind, oder durch disharmonische Stellungen angegriffen werden, sind das Resultat von Versäumnissen, Schuld und Fehlentwicklung im Sinne der göttlichen Ordnung.
Disharmonische Aspektierungen sind kein Verdienst, sondern das Resultat negativem Karmas. Ein Himmelskörper im Exil oder Fall hat sogar in seiner Begrifflichkeit eine tiefe Aussagekraft, die man erst zu verstehen beginnt, wenn man dies anhand konkreter Reinkarnationsbeispiele beobachten kann.

Versteht man diese karmischen Gesetzmäßigkeiten der Reinkarnationsastrologie, die in jeder Stellung eines Himmelskörpers ihren wahren Ausdruck als Resultat unserer Existenzgeschichte finden, leuchtet einem auch die Bedeutung der klassischen Würden in der Astrologie ein. Um dieses Wissen zu vertiefen, empfehle ich Ihnen meine DVD „Die Bedeutung der Würden.“

Die Wahrheit akzeptieren

Die Psychologische Astrologie hat als Instrument ihren Wert zum Selbstverständnis und zur Selbsterkenntnis unserer Persönlichkeit. Durch die psychologische Astrologie können wir verstehen, als auch aufarbeiten, wie unsere gegenwärtigen Erfahrungen in dieser Inkarnation unser Seelenleben prägten.

Die Psychologische Astrologie kann uns jedoch nicht erklären, warum wir unter diesen oder jenen Gestirnen geboren worden sind. Die Psychologische Astrologie will die Stellungen in unserer Radix nicht als das Resultat unserer Existenzgeschichte bewerten. Gute wie schlechte Stellungen werden wertfrei betrachtet, wodurch wir jedoch im Endeffekt der einfachen Wahrheit keinen Schritt näher kommen, sondern ganz im Gegenteil, uns von dieser entfernen.

Unsere Radix ist kein Zufall, sondern das Resultat unserer Existenzgeschichte. Wir selbst, und niemand anderer, ist in vollem Umfang für unsere Radix und das daraus entstehende Schicksal in unserer gegenwärtigen Verkörperung verantwortlich. In unserer Radix steht, zu wem wir im Laufe unserer Existenzgeschichte geworden sind. Wir waren der Schmied unseres Charakters und dem daraus entstehenden Schicksal.

Wer sich schlechte Stellungen schön reden will und nur vom positiven Potential dieser Stellungen spricht, will die Wahrheit nicht akzeptieren und sich selbst belügen. Wir müssen tiefer graben und verstehen, weshalb wir unter diesen Gestirnen geboren wurden. Wir müssen die Geschichte, die dahinter steht, herausfinden, denn nur dann werden wir die tiefe Gerechtigkeit und Wahrheit dahinter verstehen und vielleicht auch akzeptieren.

Die Sonne und mein Verhältnis zu Gott

Die analogen astrologischen Entsprechungen zur Sonne sind Gott, der Vater, mein Ich und Autoritäten jeglicher Form. Die Stellung und Aspektierung unserer Sonne gibt uns Auskunft über unsere Beziehung zu Gott, zu unserem Vater, zu mir selbst und anderen Autoritäten.

Verkörpere ich jetzt zum Beispiel mit einer Sonne in das Quadrat zu Saturn, Pluto und Uranus, so wissen wir, dass die Beziehung zwischen Gott und diesem Menschen problematisch bis sehr schlecht geworden ist.

Verletzte Sonne

Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden alle Untugenden der Sonne, da ja diese verletzt ist, dazu beigetragen haben. Stolz, Egoismus, Machtanspruch und Egozentrik werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeprägt sein.
Dieser Mensch steht mit anderen Autoritäten bis hin zu Gott in einem Machtkonflikt. Dies kann sich in unterschiedlichen Formen zeigen. Kritik und Ehrgeiz gegenüber anderen starken Persönlichkeiten werden ein Merkmal dieses Menschen sein. Man fühlt sich von Gott, dem Vater wie auch allen anderen Autoritäten gegenüber herausgefordert. Man hat tief im Inneren das Gefühl nicht gut genug zu sein und will sich beweisen (Sonne/Saturn). Es mangelt meist an einem gesunden Selbstwert.

Kommt jetzt ein Quadrat von Sonne und Pluto hinzu, dann verstärkt dies diese Thematik ungemein, da sich jemand in seiner Position eingegraben hat. Saturn/Pluto Thematiken sind in der Regel viele Inkarnationen alt.
Das Ergebnis ist häufig ein schwieriges Vaterverhältnis. Der Vater kann sein Kind nicht lieben. Vielleicht stirbt auch der Vater bereits sehr früh, sodass die Vaterfigur als das natürliche Korrektiv dem Kind fehlt.

Die Ohnmacht (Pluto), dass durch Tod oder Trennung der Eltern dem Kind der Vater abhanden kommt, ist das Resultat dessen, dass ihm selbst in früheren Verkörperungen die Beziehung zu Gott im Himmel abhanden gekommen ist. Es ist sogar möglich, dass er Gott hasst (Sonne/Pluto), wie er vielleicht auch seinen Vater hasst, oder diesem zumindest grollt, weil er von ihm nicht gut behandelt wurde.

Wird diese Thematik, wie in diesem Beispiel zusätzlich durch ein Quadrat des Uranus zur Sonne getriggert, dann ist klar, dass es sich um eine außergewöhnliche, geistig wache Persönlichkeit handelt, in welcher dieser Vaterkonflikt zu einer Kulmination kommt. Uranus, der Rebell und das Genie in ihm, haben sich vor langer Zeit (Saturn/Pluto) für die Rebellion gegen Gott entschieden.
Die Sonne, durch Saturn/Uranus und Pluto disharmonisch getriggert, wird als eine permanente Gefahr für das Ego (Sonne) empfunden. Alle Autoritäten in der Umgebung müssen überboten oder durch Kritik herabgesetzt werden (Sonne/Pluto/Saturn), da ansonsten die Aufrechterhaltung des eigenen Selbstbildes zusammenbrechen würde. Niemand darf größer und mächtiger sein als man selbst.

Saturn in Fische, Sonne in den Zwillingen, der Atheist und Häretiker

Saturn in den Fischen weist darauf hin, dass sich diese Person durch diesen Machtkampf von den spirituellen Quellen abgeschnitten hat. Es mangelt an Demut, Bescheidenheit und Selbstlosigkeit (Fische).
Die Zwillingssonne, durch Aldebaran verstärkt, zeigt dem Reinkarnationsastrologen, dass der Glaube an Gott diesem Menschen abhanden gekommen ist. Da jedoch die Sonne mehrfach angegriffen wird, wir jedoch gleichzeitig sehen, dass es sich um eine außergewöhnliche Persönlichkeit handelt, können wir daraus schließen, es zu einer grundsätzlichen Haltung in dieser Person geworden ist, sich vehement gegen jegliche Einflussnahme auf seine Persönlichkeit durch andere geistige Autoritäten aufzulehnen. Dieser Mensch verweigert die Anerkennung anderer, die größer sind als er.
Die Person befindet sich seit vielen Inkarnationen in einem bewussten oder unbewussten Machtkampf mit Gott, allen Vaterfiguren und Autoritäten. Die Kräfte des Lichts und der Finsternis ringen in ihm, wie einst in Mephisto.

Verletzte Sonne