Neptun oder Pluto?

Wenn man einen Skorpion frägt, wie man den Menschen beurteilen sollte, dann würde dieser vermutlich mit einem Zitat von Klaus Kinski antworten, obwohl dieser ein Waagegeborener war: „Man muss den Menschen nach seinen Lastern beurteilen, die Tugenden können vorgetäuscht sein, die Laster sind immer echt.“ – Klaus Kinski (Merkur im Skorpion in Opposition zu Mars)

Die Aussage sitzt und ich kann sie drehen und wenden wie ich will, muss ich ihre Wahrheit anerkennen. Ich stimme ihm keineswegs vollumfänglich zu, weil seine Haltung nicht in das Paradies führt. Mir geht es jedoch nur darum den Aspekt dieses schonungslosen „Skorpionfilters“ hervorzuheben.

Wer sich für die Liebe entscheidet, wird die Menschen nach ihrer Liebe beurteilen, weswegen er geneigt ist, oftmals über ihre Untugenden hinwegzusehen, wie sich dies durch die gesamte Geschichte des Christentums zieht. Die Folge sind enttäuschte und gebrochene Herzen, weil sich der Gutmütige viel zu lange Unrecht gefallen lässt, bis er erkennt, dass er das Gute, Wahre und Schöne auch verteidigen und beschützen muss.

Wer für die Liebe nicht kämpft und einsteht, der liebt nicht. Auch die Liebe ringt uns immer die Entscheidung ab, was und warum wir etwas lieben. Die Liebe wächst nur, wenn wir das Gute, Wahre und Schöne lieben, als auch fördern.
Wer unterscheidungslos liebt, liebt auch das Unwürdige, Untugendhafte und in die Irre führende.

Deswegen muss der wahre Liebende, sowohl die Untugenden der Menschen sehen, als auch ihre Tugenden. Er wäre kein Liebender und Erleuchteter geworden, hätte er sich nicht auch mit seinen eigenen Untugenden, als auch den Untugenden anderen aufrichtig und ehrlich auseinandergesetzt, um seinen Anteil der Transformation in die Beziehung einzubringen.

Wer jedoch seine Untugenden verdrängt, bleibt ein scheinheiliger Liebender, dem man nicht trauen sollte. Wenn es darauf ankommt, wird er in der Schlacht für die Wahrheit und das Gute nicht an deiner Seite kämpfen und weder sein Leben riskieren, noch dich in anderer Weise im Kampf mit dem unterstützen, was er zu geben hätte, sondern sich egoistisch mit feigen Ausreden aus dem Staub machen, sowie er sich auch selbst belogen hat.

Die Tugend beweist sich nur im Kampf gegen die Untugend.
Es ist kein Akt der Liebe aus Mitgefühl für die Schwächen anderer, die Augen vor der Untugend zu verschließen, sondern ganz im Gegenteil unterstützt man damit die Gewalt der Untugend in der Welt. Das gilt im Kleinen, wie auch im Großen.

Die Liebe kann Wunder vollbringen und Menschen zum Guten wandeln, doch ab welchem Zeitpunkt muss die Gewalt der Erkenntnis und Vernunft einschreiten, um den Untugenden der Menschen Grenzen zu setzen, wenn ihr Verhalten uns und unseren Mitmenschen gegenüber moralisch nicht richtig ist?

Nemesis fordert, dass jeder Menschen das erntet, was ihm gebührt, denn gebe es keine Gerechtigkeit und Konsequenzen für unseren Charakter und unser Handeln, hätte das Leben ganz einfach keinen Sinn. Alles dreht sich darum, ob wir das Gute, Wahre und Schöne lieben und danach streben diesen Idealen selbst zu entsprechen, oder ob wir uns selbst und andere belügen und etwas vorspielen, um unsere Untugenden zu verbergen. Das Leben ist kein Schauspiel.

Wir befinden uns nicht im Theater, weswegen irgendwann im Leben immer der Zeitpunkt kommt, wo wir Farbe bekennen müssen, wofür und zu wem wir stehen und was wir mit unserer Liebe, Macht und Kraft unterstützen und was wir ablehnen, selbst wenn wir aufgrund unsere Liebe Verständnis und Mitgefühl für diejenigen haben, die der Untugend folgen.

AstroPointer/ Elisabeth Felber