Die innere Ruhe und der Genuss der bewussten Wahrnehmung
Wer über viele Jahre oder Jahrzehnte sein eigenes Horoskop und damit verbunden sich selbst kennen und verstehen gelernt sowie die notwendige Ruhe in sich erlangt hat, der merkt, wenn Gedanken und Gefühle neuer Qualität in ihm aufsteigen. Damit sind Gedanken und Gefühle gemeint, die er sonst von sich selbst in dieser Form nicht kennt. Beispielsweise, wenn ein eher pessimistisch veranlagter Typ auf einmal deutlich positiver denkt. Oder wenn in jemand, der Teile seiner Vergangenheit gerne verdrängt, auf einmal regelmäßig Gefühle hochsteigen, die ihm die Vergangenheit bewusst machen.
Der erfahrene Astrologielernende weiß aus der Praxis, dass solch drastische Veränderungen nur dann geschehen, wenn Transite oder die Sekundärprogression besondere Auslösungen bilden. Er weiß dies, weil er bereits mehrmals erlebte, dass diese astrologischen Auslösungen sein Leben in neue Bahnen führen können.
Natürlich weiß man als regelmäßig Übender, wie die Gestirne am Himmel aktuell zur eigenen Radix stehen und man kann sich vorher ausdenken, wie der kommende Transit vonstatten gehen könnte, nochmals in einem Buch darüber nachlesen und dergleichen, doch das Schönste an der Astrologie kommt zu Tage, wenn man die Ruhe in sich erlangt hat und den Transit ganz bewusst wahrnimmt. Es ist ein innerliches Verstehen, welches kein, durch Lesen angeeignetes, Wissen ersetzen kann.
Man kann an der Astrologie verzweifeln
Weshalb die geistige und seelische Ruhe für den Schüler der Astrologie dermaßen wichtig ist, hat auch damit zu tun, dass meist mehrere Transite auf einmal wirken und wir deren verschiedene Qualität erst unterscheiden lernen müssen. Hier muss man sich stets bei der Nase nehmen und selbst prüfen, ob man die gerade aktiven astrologischen Einflüsse richtig zuordnet. Die Qualität steht immer über der Quantität. Besser man hat an einem Abend über einen Transit länger meditiert und dafür diesen eingehender durchdrungen, als man hat mehrere Horoskope flüchtig angesehen.
Der Anfang, wenn man gerade mit dem Astrologielernen begonnen hat, kann durchaus sehr frustrierend sein, weil man zwar in der Lage ist, die aktuellen Transite in seinem Horoskop bereits im Computerprogramm abzulesen, doch sind meist drei, vier Transite am Laufen. Manche währen nur wenige Tage, andere wiederum mehrere Monate, doch selbst diese Unterscheidung und die Wertigkeit eines langen Transits im Vergleich zu einem kurzen kann man noch nicht nachvollziehen. Man sieht also drei, vier aktive Transite und beginnt über diese in einem Buch nachzuschlagen und wenn man alle durchgelesen hat, ist man erschöpft. Man weiß während des Lesens, dass vieles davon zutrifft, was man gelesen hat, aber nachdem man sich zu allen drei, vier Transiten informierte, kann es vorkommen, dass man am Ende gar nicht mehr weiß, welches aktuelle Erlebnis/Erfahrung welchem Transit zuzuordnen ist. Es ist keine Seltenheit, dass man an der eigenen Intelligenz und Fähigkeit zweifelt, wenn man Astrologie lernt, denn sie ist eine neue Sprache, die uns zuvor fremd ist.
Welch ein Genuss es ist, wenn man der Sprache mächtig geworden ist, obwohl man noch immer dazu lernt, soll ein aktuelles Beispiel aus meinem Leben verdeutlichen.
Wenn der Transit fühlbar geworden ist
Aufgrund einer Erkältung kam ich während der letzten Tage mehr zu Ruhe als gewohnt. Gleichzeitig merkte ich, dass ich zentrierter bin und meine Seele stärker fühlte, also aufsteigende Gefühle, aber auch seelische Eindrücke aus der Vergangenheit, die mich bewegten, klarer wahrnahm. Gleichzeitig fühlte ich mich sehr gut, freute mich über meine aktuelle Lebenssituation mit meiner Lebensgefährtin, Kind und das Haus, welches wir vor kurzer Zeit bezogen. Optimismus und Wohlgefühl machten sich breit, wie ich es in dieser Qualität noch nicht in mir kannte. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen weiß ich, dass diese beobachteten Veränderungen durch die Gestirne abgebildet sind und machte neben den Blick auf die Transite auch wieder einmal einen auf meine Sekundärprogression.

Transit Jupiter Trigon Sonne/Chiron/Merkur, Erstellt mit Astroplus
Zunächst aus Büchern/DVDs/Websites und dann aus Erfahrung weiß man, dass Optimismus dem Jupiter zugeordnet ist, welcher gerade im Transit durch das 7. Haus ein Trigon zu Chiron/Merkur bildet. Das Trigon wird zwar zu Chiron gebildet, da dieser in einer Konjunktion mit Merkur steht, ist dieser in die Deutung miteinzubeziehen und selbst die Sonne ist nicht ganz wegzudenken. Wenn jemand in der Radix eine Opposition von Chiron/Merkur zu Saturn stehen hat, ist er vom Typ her ein pessimistischer Denker (Merkur/Saturn), was in Konjunktion zur Sonne durchaus seine Persönlichkeit prägen kann. Bildet Transit Jupiter ein Trigon hierzu, öffnet er die Mauern des Pessimismus und beglückt einen mit einer großen Portion Optimismus und Fülle. Hat man in sich die nötige Ruhe erlangt, kann man sich für diesen Transit bewusst öffnen und wird dazulernen (Chiron/Merkur), wie heilsam (Chiron) die Qualitäten des Jupiter für einen sind. Ebenso wird einem durch diesen Transit erst bewusst, wie sehr man sich selbst durch skeptische und pessimistische Gedanken beschränkt, sodass man wiederum über die Konstellation von Merkur/Saturn dazulernt. Auch wenn man natürlich kognitiv weiß, dass Merkur/Saturn für pessimistische Gedanken steht, die innere Wahrnehmung und ganzheitliches Verständnis erlangt man nur durch die Praxis.
Aber dieser Transit beantwortet noch nicht die verstärkte Wahrnehmung des eigenen Innenlebens.
Progressive Sonne in Konjunktion mit progressivem Mond
Etwa alle 29 Jahre bilden die progressive Sonne und der progressive Mond eine Konjunktion. Diese Konstellation steht dafür, dass die Seele (Mond) verstärkt ins Bewusstsein (Sonne) rückt. Geist und Seele verschmelzen in dieser Zeit und Gefühle und Erlebnisse, die man verdrängt hat, kommen zum Vorschein, werden einem bewusst. Diese Konstellation ist bei mir gerade merkbar aktiv und man lernt wiederum über das Konstellationsbild Sonne/Mond aus der Praxis dazu. Auch zu dieser Konstellation passend, wurde beim letzten Mal vor etwas mehr als 29 Jahren mein Bruder geboren – ein Familienmitglied (Mond) erblickte das Licht der Welt (Sonne).

Progressive Sonne in Konjunktion mit progressivem Mond
Dies sind die Erfahrungen, welche man durch die Praxis erlangt, welche mit nichts anderem aufzuwiegen sind. Die innere Erfahrung, wie sich diese Konjunktion anfühlt, kann man sich nicht anlesen oder bei einem Kurs erlangen, man muss sie selbst machen, außer man hat in der eigenen Radix eine Konjunktion von Sonne und Mond stehen.
Auf diese Weise soll jedem, der die Astrologie lernen möchte, noch einmal verdeutlicht werden, dass dies mit sehr viel Zeit in zweifachem Sinn verbunden ist. Es braucht die Zeit des Lesens, des Anhörens von Lehrgängen und die Teilnahme an Kursen, wenn man dies möchte, sowie vor allem die Zeit des regelmäßigen Übens, aber auch die Arbeit am eigenen Charakter, durch welche man erst recht an astrologischem Verständnis als auch an innerer Ruhe gewinnt. Ebenso wichtig ist, dass man dem Leben seine Zeit zugesteht, denn manche Transite kommen nur selten oder sogar nur einmal im Leben und aus der Erfahrung der bewussten Wahrnehmung wird man erst zum Astrologen. Der Genuss der bewussten Wahrnehmung und des wachsenden Verständnisses für die Astrologie und das Leben ist aus meiner Sicht unvergleichlich und alle Bemühungen absolut wert. Wer sehr gut zu meditieren vermag, kann die Konstellationsbilder natürlich geistig durchdringen, doch dies gehört zur fortgeschrittenen Stufe, aber die Fähigkeit erlangt man durch denselben Prozess der Praxis und Läuterung.